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Montag, 28.10.2019

Grüner Antrieb

Martin Mittelbach untersucht ökologische Antriebsmethoden. Foto: Uni Graz/Kernasenko

Martin Mittelbach untersucht ökologische Antriebsmethoden. Foto: Uni Graz/Kernasenko

Uni-Graz-Chemiker analysiert, welcher Stoff im Tank das Klima am meisten schont

Sind Dieselmotoren Dreckschleudern, Stromautos sauber und Wasserstoff-Antrieb die Zukunft? Martin Mittelbach, Experte für nachwachsende Rohstoffe am Institut für Chemie der Universität Graz, hat verschiedene Möglichkeiten analysiert. Und zieht dabei eine ernüchternde Bilanz: „Neue Antriebstechnologien sind gut und sinnvoll, aber leistbare umweltfreundliche Lösungen für Schwertransporte mittelfristig nicht in Sicht.“ Allerdings stellt er der in Verruf geratenen Partikelschleuder ein nicht so schlechtes Zeugnis aus: „Dieselmotoren sind die effizientesten Verbrennungsmotoren und für die Beförderung auf der Straße und am Wasser in den nächsten Jahrzehnten schwer ersetzbar.“ Synthetische Kraftstoffe oder Biodiesel können die Ökobilanz aufbessern. Letzterer lässt sich aus Abfall- und Restbiomasse oder Biomasse aus schnell wachsenden Pflanzen produzieren – worin Mittelbach großes Potenzial sieht.

Wie öko ist E?
Die einerseits extrem gehypten, andererseits heftig kritisierten Elektrofahrzeuge betrachtet der Grazer Forscher als eine wichtige Alternative im Verkehr, auch wenn sich der Energieaufwand für die Batterieherstellung erst nach vielen tausend Kilometern im Betrieb amortisiert. „Kleine E-Autos haben eine deutlich bessere Ökobilanz als ein Tesla und sind für Kurzstrecken ideal“, so der Chemiker, „wobei auch berücksichtigt werden muss, woher der getankte Strom kommt.“

Als oberste Prämisse müsse aber gelten, so weit wie möglich überhaupt auf den Pkw zu verzichten. „Der Individualverkehr gehört raus aus der Innenstadt“, unterstreicht der Forscher. Lokale Emissionen, Stickoxide und Feinstaub wiegen in Ballungszentren besonders schwer. Beim nötigen Ausbau der Öffis sollte man vollständig auf Strom setzen, aber nicht auf schwere, starre Straßenbahnen. „Studien zeigen, dass etwa Oberleitungsbusse eine verhältnismäßig billige, flexible und umweltfreundliche Transportmöglichkeit sind, natürlich auch Fahrzeuge mit Batteriebetrieb.“

Wunderbarer Wasserstoff
Aufwändige Herstellung, schlechter Wirkungsgrad – so charakterisiert Mittelbach die viel diskutierte Brennstoffzelle. Der Wasserstoff, mit dem sie betrieben wird, gewinnt man derzeit unter großem Energieaufwand aus Erdgas, auch nicht nachhaltig. Die Vorteile gegenüber Strom wären die Lagerfähigkeit, die rasche Betankung und dass man damit auch Lkws und Flugzeuge antreiben könnte. „Allerdings ist das zurzeit um das Zehn- bis Hundertfache teurer“, analysiert der Chemiker. Langfristig sieht er dennoch in Elektromobilität und Wasserstoff die einzigen Alternativen im Transportsektor: „Beide werden sich gegenseitig ergänzen, ein gewisser Wettbewerb wird die Entwicklung beschleunigen.“

Das Um und Auf bleibt für den Forscher, unser gesamtes Transportwesen sowie die Mobilität zu hinterfragen: „Ein Liter Milch legt im Schnitt mehrere hundert Kilometer zurück, bevor er im Supermarkt-Regal landet. Das ist Wahnsinn!“

Ausführlichere Informationen zu dem Thema finden sich in der aktuellen Ausgabe der UNIZEIT.

Erstellt von Dagmar Eklaude

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