Ende dieses Seitenbereichs.

Beginn des Seitenbereichs: Inhalt:

Die nigerianischen Afrobeats haben sich einen fixen Platz in der westlichen Musikwelt erobert. TikTok und Co. vermitteln Eindrücke von Lifestyle und Mode, die auch auf den Laufstegen von Mailand und Paris Präsentiert wird. Und ganz besonders schielen wir auf die enormen Lithium-Vorkommen in Zentralafrika, die wir für E-Auto-Batterien und Stromspeicher benötigen. So sehr unser Interesse für den Kontinent wächst, so vage sind immer noch unsere Vorstellungen davon.
„Viele haben hauptsächlich die Sub-Sahara-Regionen im Kopf“, merkt Kulturwissenschaftlerin Angelika Heiling an. „Wir werden auch gefragt, welche Sprache man denn in Afrika spricht“, ergänzt Linguistin Jennifer Brunner. Die beiden arbeiten daran, mit der Modulreihe ➡ „African Studies“ Wissenslücken zu schließen und einen African Science Hub in Graz zu etablieren. 
Wichtig ist dem Duo, mit Kolleg:innen von afrikanischen Unis zu kooperieren, um ein authentischeres Bild zu vermitteln. „Wir können natürlich beide nicht über ganz Afrika sprechen, dafür ist der riesige Kontinent viel zu divers“, betont Brunner. Sie arbeitet vor allem zu den Sprachen Ruandas, Burundis und im Westen Tanzanias. Heilings Schwerpunkt ist die sambische Literatur. 
  
Funktionierende Vielfalt  
Die eine afrikanische Sprache gibt es selbstverständlich nicht – es sind mindestens 2000, also fast das Zehnfache von Europa. Rund 500 werden alleine in Nigeria verwendet, und trotzdem klappt die Verständigung. Dass eine Person am Tag mit vier bis fünf Idiomen jongliert, ist die Norm, berichtet Brunner. „Einsprachigkeit ist heilbar“, schmunzelt sie. „Hauptsache, die Kommunikation funktioniert“, ergänzt Heiling. „Da können wir in Europa noch dazulernen.“ In der Kindererziehung sei es bei uns etwa verpönt, wenn die Eltern ihre unterschiedlichen Sprachen mischen. „In Sambia ist das aber gelebte Realität, die Kinder kommen damit klar“, berichtet die Forscherin. 
  
Vorbild  
Nicht nur die Flexibilität in der Verständigung – es gibt Vieles, das wir Europäer:innen uns von Afrika abschauen können. Etwa die kreative Suche nach neuen Lösungen. „Wir glauben, schon zu wissen, was geht und was nicht. Der selbstverständliche Umgang mit der Digitalisierung in vielen Regionen zum Beispiel – dass etwa der Frisörbesuch oder die Stromrechnung mit dem Handy bezahlt wird – zeigt aber, wie altmodisch wir eigentlich sind“, hat Jennifer Brunner beobachtet. Die Sprachwissenschaftlerin sieht in den häufig jungen Gesellschaften Menschen heranwachsen, die die kolonialen Denkmuster zu überwinden versuchen und nach Emanzipation streben. Eine wichtige Entwicklung angesichts des globalen Interesses an den Rohstoffen. „China mischt ja als neuer Player mit. Alle brauchen Afrika als Partner – aber die Begegnung sollte auf Augenhöhe passieren“, betont Angelika Heiling. 
  
Die Modulreihe African Studies wird vom ➡ treffpunkt sprachen der Universität Graz angeboten. Sie vermittelt einen Überblick über die außerordentliche Vielfalt und Dynamik der Sprachen auf dem südlichen Kontinent und schnuppert in Literatur, Kunst und Kultur. Die Lehrveranstaltungen stehen allen Interessierten offen, ein Einstieg ist auch während des Semesters möglich.

Ende dieses Seitenbereichs.