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Andrea Storr

Zu sich finden

Leistungsdruck und ständige Vergleiche mit anderen verunsichern viele Studierende. Selbstfürsorge bringt Zuversicht und lässt sich lernen, erzählt die Sozialpädagogin und Encouraging-Trainerin Andrea Storr.

Manchmal verändern kleine Entscheidungen das Leben. An einem lauen Sommerabend 2011 blieb Andrea Storr nicht in ihrem Garten sitzen, sondern ging zum Vortrag einer Encouraging-Trainerin. „Meine Mutter hatte mich drauf gebracht. Dafür bin ich ihr heute noch dankbar“, erzählt sie. Denn die Veranstaltung ließ aus einem privaten Interesse eine Berufung und einen neuen Job entstehen. „Ich möchte zeigen, wie wir in uns selbst Kraft finden, anstatt im Außen nach Anerkennung zu suchen.“ Seit mehr als zehn Jahren arbeitet die Sozialpädagogin auch mit Studierenden an der Universität Graz. Die Themen, die sie bewegen, sind über die Zeit dieselben geblieben: mehr Mut, mehr Selbstvertrauen, ein liebevollerer Blick auf sich selbst.
Zentraler Bestandteil des Trainings am ➡ Zentrum für Soziale Kompetenz ist die Arbeit an der Perspektive auf die eigene Person, auf andere und auf die Art des Zusammenlebens. „Unsere Gesellschaft ist stark defizitorientiert“, führt die gebürtige Deutsche aus, die seit 2008 in Graz lebt. „Wir lernen schon früh durch Vorbilder, wie wir uns verhalten sollen, um geliebt zu werden. Für Fehler oder Mängel ist meistens kein Platz, oft werden sie sogar abgestraft. Daraus können Verhaltensmuster entstehen, die uns später blockieren.“ Deshalb empfiehlt Storr, so früh wie möglich den Blick auf die Stärken zu lenken. Diese bewusste Entscheidung würde auf vielen Ebenen wirken: „Wenn ich bei einem Mobile einen Teil antippe, kommt das ganze System in Bewegung. Genau so kann ein freundlicherer Umgang mit mir selbst dazu führen, dass ich leichter das Gute in anderen sehe, dass ich auch sie annehme, wie sie sind.“
Diese Haltung weiterzugeben, ist der Expertin ein Herzensanliegen. Sie unterscheidet dabei klar zwischen Lob und Ermutigung „Ersteres orientiert sich am Ergebnis, an der Vergangenheit, und kann bei Misserfolg in Kritik umschwenken. Ermutigung hingegen denkt an den Prozess, an das Hier und Jetzt, und fördert das Dranbleiben.“ Dieser Blickwechsel sei gerade in Zeiten von Vergleichsdruck, Unsicherheit und Überforderung wertvoll.

Übung macht zufrieden 
Viele Teilnehmende kommen während des Trainings erstmals mit tiefer Selbstfürsorge in Berührung. Am Ende des Semesters berichten sie, dass sie sich weniger allein fühlen, weil sie erfahren haben, dass andere mit denselben Herausforderungen kämpfen. „Wir leben in einer Zeit, die viele Möglichkeiten bietet, aber auch viele Unsicherheiten. Aufmunternder Zuspruch ist deshalb kein Luxus, sondern eine wichtige Ressource. Und auch eine Lebenseinstellung, die wir uns aneignen können“, erklärt die Pädagogin. Dabei sei nicht die Theorie entscheidend, sondern das Tun. „Die allermeisten von uns hängen oft im Kopf fest. Aber echte Veränderung passiert nur durch Training.“
Ein Werkzeug dafür sind Ankersätze: kurze, positive Leitsprüche, die in schwierigen Momenten Halt geben sollen und sich je nach Lebenssituation verändern dürfen. „Sie erinnern uns daran, dass wir imstande sind, aus eigener Kraft zu handeln. Gerade in herausfordernden Phasen kann dieser Gedanke hilfreich sein, um aus einer passiven Haltung oder Opferrolle herauszukommen und wieder das Steuer zu übernehmen“, beschreibt die Expertin.

Lernen von anderen
Ihre Lehrveranstaltung – acht Einheiten über ein Semester – ist gut besucht von Studierenden aus unterschiedlichsten Fachrichtungen und Lebensphasen. Die bunte Mischung bringt Dynamik. „Manche der Teilnehmenden sind in Bildungskarenz und auf Neuorientierung aus, andere stehen erst am Beginn ihres Studiums oder suchen ihren Weg in die Berufswelt. Alle teilen den Wunsch, sich selbst besser zu verstehen und sich weiterzuentwickeln“, berichtet die Trainerin.
Für Andrea Storr ist das eine Lebensaufgabe. Die Beschäftigung mit Ermutigung hat auch sie selbst verändert: „Ich bin viel schneller bei mir. Ich merke, wenn ich mit Frust oder Ärger reagiere und frage mich: Was steckt dahinter? Gibt es Muster, die da zum Vorschein kommen? Was darf gerade ich aus genau diesem Erlebnis lernen?“ Es gehe nicht darum, nie mehr aus der Ruhe zu geraten, fügt sie an. Sondern darum, schneller wieder in die eigene Mitte zu finden. Hätte die Expertin Encouraging schon früher entdeckt, hätte sie „wohl einiges anders gemacht“, meint sie. „Aber umso schöner, dass ich meine Erfahrungen heute teilen darf.“

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