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Mit Lachen zur Lösung
Wenn Bedrohungen und Krisen Anlass zur Sorge geben, reagieren viele Menschen darauf mit Angst, andere mit Aggression. Beides führt letztendlich in die Sackgasse. Um Herausforderungen konstruktiv begegnen zu können, müssen wir uns aus verschiedenen Perspektiven damit auseinandersetzen. Warum Humor dabei hilfreich sein kann, erklärt die Psychologin Ilona Papousek.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Was der deutsche Journalist und Literat ➡ Otto Julius Bierbaum (1865–1910) in diesem Satz auf den Punkt bringt, ist die Fähigkeit, belastenden Situationen „einen positiven Twist zu geben“, wie Ilona Papousek es formuliert. Sie forscht zu den Auswirkungen von Humor auf die Psyche. „Wenn wir in schwierigen Zeiten stecken, sei es aus persönlichen, gesellschaftlichen oder weltpolitischen Gründen, neigen wir dazu, in unseren negativen, kreisenden Gedanken zu verbleiben. Dann kann die Produktion von eigenem Humor helfen, diese zu unterbrechen“, sagt die Wissenschaftlerin.
Wie das funktioniert? Positive Umbewertung nennt sich der psychologische Mechanismus. „Dabei versuche ich mir zu einer Situation, die bei mir Angst oder Ärger hervorruft, etwas Witziges auszudenken“, erklärt Papousek. Etwa so? Wenn mein Nachbar wieder mal den Klimawandel leugnet, lade ich ihn im Winter zum Asphaltschaufeln ein. Na ja, auch Humor will gelernt sein. „Damit man ihn gewinnbringend für sich verwenden kann, muss man erst üben, sich lustige Wendungen zu belastenden Dingen zu überlegen, und dann trainieren, diese in den Alltag einzubauen“, weiß die Forscherin. „Ziel ist, dass dieser Mechanismus zur kognitiven Routine wird. Das heißt, immer wenn ich in eine schwierige Situation gerate, fällt mir, ohne dass ich überlegen muss, sofort etwas Humorvolles dazu ein. Damit wird dieses Werkzeug zu einer effizienten persönlichen Ressource“, beschreibt sie den Prozess.
Von der Angst zur Aktion
Positive Umbewertung bedeutet nicht, wegzuschauen, Probleme zu verdrängen oder gar sie zu verleugnen, betont die Psychologin. Im Gegenteil: „Wenn es gelingt, zu einer negativen Tatsache eine heitere Assoziation zu schaffen, ändert sich die Perspektive. Dieser andere Blick – je entfernter oder absurder, umso besser – schafft mehr Distanz zum Problem. Und das wiederum macht es leichter, neue Lösungsstrategien zu finden“, so Papousek.
Wer eine Spinnenphobie hat und auf so ein Tier trifft, kann den Blick nicht von dem angstbesetzen Objekt lösen und erstarrt. So ist es auch bei anderen Bedrohungen. Humor lenkt die Augen auf einen neuen Aspekt und macht es dadurch möglich, aus der Lähmung in die Aktion zu gehen.
Aufheitern statt auslachen
Humor hat auch soziale Funktionen. Wer Witze macht, kann damit positive Ziele verfolgen, etwa jemand anderen aufzuheitern, eine stärkere Verbindung zu einer Person aufzubauen, gemeinsam fröhlich zu sein. Es gibt aber auch die bösen Absichten, das Auslachen und Verspotten, das anderen weh tun soll. Diese zwei Seiten der Medaille sind es, die Ilona Papousek an ihrem Forschungsthema faszinieren: „Zum einen ist Humor ein Werkzeug, das – richtig eingesetzt – viele positive Effekte haben kann, für die eigene Person, für Beziehungen, sogar für die Gesellschaft. Zum anderen wird er von manchen als sehr verletzende Waffe verwendet.“
Studien zeigen, dass Menschen, die wohlwollenden Humor produzieren, auch selbst davon profitieren. „Mache ich mich hingegen über andere lustig, geht es mir dadurch langfristig nicht besser“, weiß die Psychologin. Die Erklärung dafür: „Mit dunklem Humor verharre ich in meiner Negativität. Der Switch auf eine positivere Sicht der Dinge gelingt weniger bis gar nicht. Damit bleibt auch der Blick auf neue, konstruktive Lösungswege verbaut“, so Papousek. „Böswillige Kommentare oder Scherze etwa in sozialen Medien loszufeuern, bringt für sich selbst nichts. Im Gegenteil, man gerät immer stärker in eine Negativspirale hinein“, nennt sie ein Beispiel.
Aber kann es nicht auch guttun, über jemanden zu lachen, über den oder die ich mich ärgere? „Ja, natürlich ist auch in diesem Fall nicht alles nur schwarz oder weiß“, räumt Papousek ein, betont aber: „Rache, auch nur als Gedanken oder in Form von Humor, hilft mir selber nicht. Eventuell verschafft sie ein kurzes Erlebnis einer Befriedigung. Aber langfristig viel effizienter ist es zu versuchen, eine positivere Sicht der Dinge, vielleicht generell mehr heitere Gelassenheit zu erlangen.“ Eine wichtige soziale Funktion erfüllt dunkler Humor aber doch, indem er darauf hinweist: Da läuft was falsch. Das gilt für das politische Kabarett genauso wie für den Stammtisch.
Lust an der Pointe
Dass Witze Glücksgefühle auslösen können, zeigen Forschungen der Neuropsychologie. „Das Erkennen der Pointe erleben wir als lustvoll. Im Gehirn wird dabei das mesotelenzephale Dopaminsystem, umgangssprachlich Belohnungssystem, aktiviert, ähnlich wie bei gutem Essen oder gutem Sex“, berichtet Papousek. Auch wenn ein paar Witze täglich noch kein Rezept gegen Zukunftsangst sind, eine Pointe zwischendurch tut sicher wohl.
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